Updated: Wednesday, March 08, 2006 20:01

 

Neueste Pressestimmen zur Tournee des Roman Schwaller Sextet - The Thurgovian Suite, Oktober 2005

 

St.Galler Tagblatt, 8. Oktober 2005

 

Gebündelte Energie

 

Das Roman Schwaller Sextett gastierte bei "kultur läbt" im Landenbergsaal

Ein Förderpreis des Kantons ermöglichte Roman Schwaller die Arbeit an seiner «Thurgovian Suite»: Das Ergebnis: Schwaller-Jazz vom Feinsten, Musik von begeisternder Konzentration.


Martin Preisser

Formal betitelt Roman Schwaller seine acht Suiten-Sätze mit biografischen Daten. In Musik gegossene Erinnerung oder gar persönliche Programmmusik ist die «Thurgovian Suite» natürlich nicht, aber ein dichtes Paket von musikalischen Einflüssen und Prägungen, die Schwaller hier bündelt und gleichzeitig weitertreibt. Schwarzweiss seien seine Erinnerungen an die Kindheit in Frauenfeld, kokettiert der international erfolgreiche Thurgauer Tenorsaxophonist. Was setzt der heute 48-Jährige diesen Reminiszenzen entgegen? Jazz von grösster Farbigkeit. Und es gibt keinen «Thurgovian»-Satz, in dem Schwaller nicht die perfekte Balance zwischen Komponiertem, Arrangiertem und Raum zum Improvisieren konstruiert hätte.

Klar artikulierte Sprache

Die Klasse seines hochkarätig besetzten Sextet zeigt sich beispielhaft schon im ersten Stück. Mit verträumtem Klavier-Solo wird man empfangen. Setzen dann alle ein, erreicht die Musik unmittelbar einen faszinierenden energetischen Level. Das Geflecht wirkt dicht, gespielt. Schwaller setzt auf die Sprache des modern straight ahead Jazz und zeigt gleichzeitig hohes Engagement für klar artikulierte und durchgeformte musikalische Sprache. Auch im Hexenkessel enthemmten Improvisierens strahlt Schwallers «Thurgovian Suite» Wille zu nachvollziehbaren Formen aus, was das Ganze zu einem zusätzlichen Genuss macht.
Schwallers bisher opulentestes und ambitioniertestes Werk, das durch einen 2003 ausgerichteten Förderpreis des Kantons ermöglicht wurde, ist weitsichtige, Vielfalt zusammenfassende persönliche Rückschau auf reiche Jazzerfahrung. Aus diesem Schatz seines Könnens resultiert auch die stets überlegte Wahl der Mittel. Schwaller zeigt in allen Sätzen einen höchst virtuosen Umgang mit Stilen. Und er überbordet nicht, packt zwar viel, aber nie zu viel in eine Idee, probiert nicht selten, aus einfachen Keimzellen improvisatorische Freiheit anzustacheln. Das garantiert begeisterndes Hörerlebnis.

Von Spitzenmusikern umgeben

Für sein Projekt hat sich Schwaller mit Spitzenmusikern zusammengetan. Man weiss nicht, wen man da zuerst erwähnen soll. Den samtweichen und weiten Klang des australischen Posaunisten Adrian Mears oder die traumwandlerische Virtuosität und Pfeilgenauigkeit der Spitzentöne von Trompeter Derrick Gardner (USA). Einen herrlich lyrischen Teppich rollt Oliver Kent (Österreich) am Klavier aus. Und mit fast stoischer Ruhe steuert Thomas Stabenow, der deutsche Bass, wunderbare Ausgeglichenheit und Drive in einem zum rhythmischen und Farbenfundament bei. Mario Gonzi (Österreich), ein höchst eigenwilliger Drummer, zeigt nicht nur in seinen unvergesslichen Solos, dass er sein Instrument äusserst emanzipiert mehr als Klang- und Effektkünstler einsetzt als bloss für exzellente Grundierung. Und Roman Schwaller selbst. Er geniesst es, sich innerhalb eines solchen Sextet ausdrücken zu können. Er geniesst das Hineinhören, das Warten, das edle sich wieder Hineinfädelnkönnen. Er geniesst es, was die Band aus seiner Musik macht. Seine Sax-Musik ist nicht selten ein Geschenk, das er den anderen musikalisch zurückspielt.
Die Jazzfreunde, die den Start der Thurgovian-Suite-Tournee verpasst haben, dürfen sich auf die CD freuen. Das Roman Schwaller Sextet startet mit den Aufnahmen.<br />

 

 

Südkurier, "Kultur in der Region", 8. Oktober 2005 (open pdf)

 

Grandseigneur des Saxophons

Der Jazzer Roman Schwaller zauberte in Kreuzlingen Spitzenqualität auf die Bühne

von Patrick Manzecchi

 

 

Aargauer Zeitung, 5. Oktober 2005

Tour durchs Jazzland Thurgau

 

Baden Auftakt der Jazz-Saison im "Isebähnli" mit dem Roman Schwaller Sextett

Jürg Blunschi

Der Verein Jazz in Baden hat die Sommerpause beendet und ist in seine 26. Saison gestartet: Wiederum wird, bis zum Mai nächsten Jahres und von treuen Sponsoren materiell und finanziell unterstützt, jeden Montag im Speisebistro Isebähnli ein Modern-Jazz-Konzert stattfinden.

Eine eigentliche All-Star-Gruppe war für das erste Konzert verpflichtet worden, nämlich das Roman Schwaller Sextett. Auf einer Tournee bringt diese Kleinformation die «Thurgovian Suite» zur Aufführung, ein achtsätziges, abendfüllendes Werk, das der Tenorsaxofonist und Komponist Roman Schwaller im Rahmen eines Förderpreises des Kantons Thurgau schrieb. Neben Schwaller gehören Derrick Gardner (Trompete), Adrian Mears (Posaune), Oliver Kent (Piano), Thomas Stabenow (Bass) und Mario Gonzi (Schlagzeug) dem Sextett an. Das Konzert bot einen ausgewogenen Wechsel zwischen vielfältigen Arrangements und fulminanten Soli. In der «Thurgovian Suite» stellt Roman Schwaller abschnittweise sein Leben dar von der Kindheit über die Ausbildung, die ersten Jazzerfahrungen und die Auslandjahre bis zur Rückkehr nach Frauenfeld. Die Kompositionen lassen die Bläser in satten, manchmal schrillen, wiederum bizarr mehrstimmigen oder düsteren Sätzen und Linien stimmungsmässig Rückgriff auf die jeweiligen Lebenslagen nehmen. Sie mäandern durch wechselnde Tonarten und Rhythmen, geben letzlich den Eindruck, als sei eine kleine Big Band am Werk.

Ein Furioso

Dem verschmitzt wuchernden Kollektiv standen die Solisten in ihrer kernigen Individualität gegenüber. Allen voran der amerikanische Trompeter Derrick Gardner, der sich überstürzende, wilde, gelegentlich rezitativisch anmutende, dann unerwartet wieder als polternde Melodien daherkommende Soli blies. Diesem Furioso stand der australische Posaunist Adrian Mears allenfalls in der Lautstärke nach. Vielleicht die etwas feinere Klinge führend, war Mears’ Spiel voll bärbeissiger Dramatik, stechender Schärfe und unterschwelliger Ironie. Roman Schwaller spielte ein kraftvolles Tenor in biegsamen, spontanen Linien und mass sich gegen Konzertende in einer deftigen «Battle» mit dem Trompeter.
Die Rhythmusgruppe bildete eine bemerkenswert kompakte Einheit: Pianist Oliver Kent mit bedachter, beruhigend melodischer Begleitung, dazu als feiner und geradliniger Solist; Bassist Thomas Stabenow als kreativer, quirliger Begleiter, während Mario Gonzi federnde rhythmische Strenge und belebende Ornamentik in seinem Schlagzeugspiel vereinigte.
 

 

Basler Zeitung, 10. Oktober 2005

 

Eine sympathische Art von «Mostindien-Hardbop»

 

Der aus dem Thurgau stammende Jazz-Saxophonist Roman Schwaller im Basler Bird's Eye

Tom Gsteiger

Mit einem Sextett brachte der Tenorsaxofonist Roman Schwaller seine «Thurgovian Suite» zur Aufführung: ein mitreissendes Werk, mit dem sich Schwaller zugleich treu bleibt und selbst übertrifft.

Die «Thurgovian Suite» beginnt mit einem Stück, das den schlichten Titel «Frauenfeld 1957» trägt, womit Geburtsort und -jahr des Komponisten, Roman Schwaller, benannt sind. Ist es Zufall, dass Schwaller für sein jüngstes Werk, das auf einen Kompositionsauftrag des Kantons Thurgau zurückgeht, dasselbe Sextett-Format gewählt hat, wie John Coltrane für sein Album «Blue Train»? Dieser von keines Gedankens Blässe angekränkelte Hardbop-Klassiker wurde ja bekanntlich auch 1957 auf die Welt gebracht und kann in seiner Mischung aus zupackend-schnörkellosem Drive und vielschichtiger Expressivität durchaus als eine Art Blaupause für Schwallers Suite gelten.

Klangdramaturgie

Obwohl die Titel autobiografische Bezüge suggerieren, handelt es sich nämlich bei der acht Teile umfassenden «Thurgovian Suite» nicht um egozentrische, verkrampft ambitionierte Programmmusik, sondern um eine dramaturgisch klug gestaltete Abfolge von abwechslungsreich arrangierten Kompositionen, die losgelöst vom übergeordneten Kontext zu überzeugen vermögen. Mit anderen Worten: Schwaller hat sich zum Glück an die Devise «Schuster bleib bei deinem Leisten» gehalten und ein Werk abgeliefert, das seine Vorliebe für den amerikanischen Hardbop und dessen Ausläufer auf spannungsreiche und handwerklich perfekte Art und Weise reflektiert. So macht «Jazz-Klassizismus» Sinn und Spass!

Teamgeist

Der starke Eindruck, den die «Thurgovian Suite» hinterlässt, hat natürlich nicht nur mit der Klasse von Schwallers Kompositionen, sondern auch sehr viel damit zu tun, dass der Tenorsaxofonist die optimale Mannschaft zu deren Umsetzung zusammengetrommelt hat. Schliesslich bestehen Jazz-Kompositionen zu einem grossen Teil aus Lücken, die es improvisierenderweise zu füllen gilt. Mit dem amerikanischen Trompeter Derrick Gardner und dem aus Australien stammenden Posaunisten Adrian Mears, der in Basel an der Jazzschule unterrichtet, standen Schwaller, der souverän zwischen quirligen Passagen à la Johnny Griffin und lakonischer Eindringlichkeit à la Dexter Gordon manövrierte, einfallsreiche Power-Solisten zur Seite. Die Wiener Oliver Kent (Klavier) und Mario Gonzi (Schlagzeug) sowie der Münchner Thomas Stabenow (Kontrabass) hielten die ganze Sache auf zugleich druckvolle und geschmeidige Weise in Schwung.

 

Thurgauer Zeitung, 6. Oktober 2005

Gewinnbringender Jazzabend
 

Das Roman Schwaller Sextet präsentierte im Rahmen der jazz:now Konzerte im Eisenwerk Frauenfeld „The Thurgovian Suite“, eine jazzmusikalische Chronik.

Emanuel Helg

Frauenfeld - Der im Thurgau bestens bekannte Tenorsaxophonist Roman Schwaller hat mit einem international besetzten Sextett sein neuestes, nach eigener Aussage bisher wichtigstes Projekt im Frauenfelder Vorstadttheater dem Publikum vorgestellt. Im Sommer 2003 erhielt Schwaller vom Kulturamt des Kantons Thurgau einen Förderpreis im Sinne eines Kompositionsauftrages: daraus entstand die „Thurgovian Suite“ in acht Sätzen, die das jazzmässige Leben Schwallers musikalisch reflektiert. Schwaller versteht seine „Thurgovian Suite“ nicht als Programm-Musik. Die acht unterschiedlichen Parts sind durchaus dem modern straight ahead Jazz verpflichtet, allerdings etwas ausführlicher komponiert und arrangiert. Jeder Part besteht aus mehreren Teilen. Harmonische und rhythmische Strukturen werden aufgebrochen und führen zum Teil auf unerwartete, andere Ebenen. Das Konzert hat eindrücklich bewiesen, dass das Geld aus dem Lotteriefond hier sehr gut und für alle gewinnbringend angelegt worden ist.

Luftig swingend

Roman Schwaller ist es mit seiner Thurgauer Suite vorzüglich gelungen, dicht gewobene Kontrapunktik, Bitonalität, und komplizierte Rhythmuswechsel mit luftig swingendem Jazz zu vermischen. Selbst das wechselvolle, wie ein rotierendes Kaleidoskop wirkende Stück „Encounter“, erlaubte trotz ungewohnt vielen ausgeschriebenen Passagen genügend Freiraum für die Improvisation. Die hochkarätige Besetzung, welche sich zur Verwirklichung dieses anspruchsvollen Projekts zusammengefunden hatte, präsentierte sich in Schwallers Heimatstadt in Hochform und kaum zu überbietender Spiellaune. Der Komponist selbst tummelte sich in seinen eigenen Harmonien verständlicherweise wie ein Fisch im Wasser. Der Tenorsaxophonist, der eigentlich zuerst Pfarrer werden wollte, veranschaulichte während „Frauenfeld 1957“ oder der vielschichtigen Ballade „Reconnaissances“ mustergültig, wie man eine musikalische Predigt hält, die den Zuhörer auch erreicht. Dramatische und lockere Phasen lösten sich aufs Angenehmste ab, durchbrochen von pointierten Zwischenbemerkungen.

Hinreissende Stilstudien

Ein bewundernswertes Klangspektrum - kraftvoll brillierend bis samtweich klagend - demonstrierte der Ausnahme-Trompeter Derrick Gardener aus Chicago. Mit hinreissenden Stilstudien bedankte er sich für Schwallers Vorlagen, etwa einem der Lehrerseminarzeit verpflichteten Blues oder der ausgelassenen Bossa-Komposition „Expatriation 1977. Zwischen sich verausgabender Virtuosität, empfindsamer Rhetorik und unerschöpflichem Spielwitz agierte der australische Posaunist Adrian Mears. Kongenial getragen und angetrieben wurde das Bläsertrio von der Rhythmusgruppe. Der Schlagzeuger des Vienna Art Orchesters Mario Gonzi entwickelte einen dynamisch fliessenden, wunderbar kristallinen Sound und sorgte mit einem grossartigen Solo während „Recurrence 1996“ für ein fulminantes Schlussfeuerwerk. Mit geschmeidiger Fingerakrobatik entlockte der Mannheimer Professor Thomas Stabenow seinem Kontrabass hinreissend luzide Klänge (etwa über „Early Morning 1976“) die man vielleicht einer Violine zutrauen würde, aber doch nicht dieser Riesengambe. Stilvolle Eleganz und feinsinnige Kreativität zeichneten das Spiel des Wiener Pianisten Oliver Kent aus, der ab und zu mit wieselflinken, überraschend hakenschlagenden Zwischensprints sein nicht zu unterschätzendes Temperament durchschimmern liess.
Das Sextett wird während der nächsten Woche, unterstützt von der Kulturstiftung des Kantons Thurgau und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, die Suite im Radiostudio DRS einspielen. Eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz mit der neuen CD im Gepäck ist im Mai 2006 geplant.

 

 

Schwaller-Eckinger-Cobb "...play the Billie Holiday Songbook"

Jazz feurig

 

Roman Schwaller gehört zu jenen Schweizer Tenorsaxofonisten, von denen man zu Unrecht wenig spricht. Mit seinem erdigen Ton ist der Frauenfelder im Ausland ein gefragter und energiegeladener Improvisator. Trotzdem zieht er es vor, seiner Heimat treu zu bleiben. Auf seinem aktuellen Album kollaboriert der feurige Bläser mit dem grandiosen Bassisten Isla Eckinger und dem niemals müden Swinger Jimmy Cobb, der seinerzeit bereits bei Miles Davis getrommelt hatte. Das Trio wagt gekonnt das schwierige Spiel ohne Harmonieinstrumente, ohne sich in ermüdenden Soli zu verlieren. Nick Liebmann

Magazin Facts, Schweiz, Juni 2005

 

 

 

Kulturlokal Sommerlust, Schaffhausen, 9. April 2005

Schwallerjazz für Billie Holiday

Etwas verloren standen der Kontrabass und das Schlagzeug auf dem Bandstand. Doch die Instrumente schienen sich ihre Musiker am vergangenen Samstag sowieso ganz selbstständig ausgesucht zu haben. Ganz den Jahrgängen der Musiker entsprechend. Roman Schwaller (ts), Isla Eckinger (b) und Jimmy Cobb (dr) luden zu einer Hommage an die grosse Jazzsängerin Billie Holiday, doch nur ein kleines Häufchen Unentwegter und tendenziell älterer Zuhörer fand den Weg ans Rheinufer. Es war dies das erste Konzert nach dem gelungenen Um-, respektive Anbau der neuen Orangerie/Wintergarten des Lokals.

Das hervorragend agierende Trio – ohne Harmonieinstrument – präsentierte sich dabei mal sanft und sensibel („Comes Love“, „Lady sings the Blues“), mal vorwärts preschend und energetisch geladen („The End of a Love Affair“), aber durchwegs kompakt und erwartungsgemäss auf hohem Niveau, was Improvisation und Interplay angeht. Wer nun aber einen Schwaller im Stile einer singenden Holiday oder ihres langjährigen Partners Lester Young erwartet hatte, musste umdenken: Der Frauenfelder Tenorist blieb sich selbst treu. Voller Sound, ausgezeichnetes Phrasing, ausgedehnte, schnelle und kaskadenartig auf- und absteigende Linien, leicht angedeutetes zurückhängen hinter dem Beat, sowie die gewohnten Licks, die man aus seinen vorangehenden Produktionen schätzen gelernt hat – jenseits von Langeweile. Überhaupt kamen einem viele musikalische Fragmente angenehm bekannt vor. Cobbs Begleitung während Eckingers melodiösen Soli oder durchstrukturierten Wechselspiele des „Orchestras“ (Zitat von Schwaller) in der Improvisation. Gespielt wurden durchwegs Kompositionen, welche die Holiday dazumal selbst im Repertoire aufwies. Es war jedoch keines der unzähligen Projekte mit fehlendem Hintergrund. Alle Musiker hatten sich in ihrem Schaffen in unterschiedlichen Produktionen bereits mit ihr auseinander gesetzt, Cobb spielte sogar einige Zeit mit der Jazzlady.

Bisweilen drohte Eckinger zwischen den beiden anderen explodierenden Antipoden etwas unterzugehen. Die ein zwei Formunsicherheiten fielen jedoch überhaupt nicht ins Gewicht und schmälerten den positiven Gesamteindruck der Performance des Trios in keinster Weise. Schwaller-Eckinger-Cobb: Drei Generationen, jede mit ihrer speziellen Spielweise. Zusammen aber ergab sich eine musikalische Mischung, die der Hommage an das Billie Holiday Songbook volle Legitimität verleihte – Body and Soul eben.

Mario Ramò

 

 

Jazztime Magazin, Juli 2005

 

Roman Schwaller Trio - Play the Billie Holiday Songbook

Roman Schwallers hervorragende Beherrschung des Tenorsaxofons kommt speziell in der Trio-Formation dieses Albums sehr vorteilhaft zur Geltung. Wobei es darum geht, Songs der unvergesslichen Billie Holiday instrumental zu interpretieren. Schwallers Aufgabe ist es, sich sowohl um den Inhalt und die Melodik, aber auch um die jazzmässige Umsetzung des Materials intensiv zu kümmern. Als profilierter Schweizer Jazzmusiker fällt es ihm nicht schwer, diese Aufgabe zu bewältigen - diese Art Standards sind durchaus sein Ding. Stilistisch muss man den Saxophonisten in die Post-Bop Ära einordnen, er verfügt über einen vollen, runden Ton mit schaften Kanten, eine ausgefeilte Technik und kreatives Interpretationsvermögen. Seine langen, weit geschwungenen Phrasen lassen den Hörer vergessen, dass hier kein Harmonieinstrument gebraucht wurde. Das Konzept dieser CD ist weniger eine Hommage an das unbestreitbar grosse Können der Sängerin, es befasst sich vielmehr mit ihrem ausgezeichneten musikalischen Geschmack in der Auswahl ihrer Songs, welche die Basis der Zusammenarbeit des Trios bilden. Isla Eckinger ist wohl der solideste Bassist den man sich wünschen kann, aber nicht nur das, er hat viel Platz, seine hervorragenden Qualitäten unter Beweis zu stellen. Abgerundet wird ds Trio durch die meisterhafte Unterstützung eines der immer noch besten Drummers im Jazz: Jimmy Cobb. Das Interplay der drei bewirkt eine ungeahnte Homogenität und verleiht jedem der 10 Songs nicht nur eigene Identität, sondern auch eine persönliche und wertvolle Interpretation, welche dieses Album mehr als rechtfertigt. Roman Schwaller, ts; Isla Eckinger, b; Jimmy Cobb, dm. Rec.: 2004. TCB Records.

 

 

St.Galler Tagblatt, 22. Juni 2005

 

Ein mit viel Biss gespieltes Tenorsax, ein Kontrabass, der noch wirklich wie ein Kontrabass klingt, und ein Schlagzeug, das ohne Fisimatenten vorwärts drängt: Mehr braucht es nicht, um eine Band zum Swingen und Klingen zu bringen. Die Schweizer Roman Schwaller und Isla Eckinger sowie der legendäre Jimmy Cobb, der von 1958 bis 1962 in der Band von Miles Davis trommelte, liefern mit ihrem «Billie Holiday Songbook» die Probe aufs Exempel. Diese Musiker wollen den Jazz nicht neu erfinden, sondern seinen Geist möglichst unverfälscht am Leben erhalten. Das Glanzlicht im ansonsten reichlich konventionellen Repertoire ist Herbie Nichols' «Lady Sings the Blues».

TCB 24602

 

Tom Gsteiger

 

 

Peter Rüedi am 16. Juni 2005 in der Weltwoche (Schweiz)

 

Ecce Homer

 

Roman Schwaller lässt sein Tenorsaxofon urväterlich durch das Gesangsbuch von Billie Holiday fliegen.

Der Sommer kommt, die Jazzfestivals explodieren. Längst sind sie nicht nur für europäische Musiker überlebenswichtig geworden. Auch unter Amerikanern wären ein paar mehr zu branchenfremdem Broterwerb gezwungen, könnten sie nicht während der Sommermonate auf der europäischen Festivalwelle surfen. Hundert Festivals, ein Programm, verkürzt gesagt, von der Nordsee bis Palermo. Dagegen dürfen Einwände vorgebracht werden. Christian Rentsch, einst Jazz-Grossinquisitor des Tages-Anzeigers, nun auf dem kleineren Podium des Fachblatts Jazz ’n’ More darum bemüht, den geschrumpften Hallraum durch forschere Polemik zu kompensieren, plädierte in einer seiner Kolumnen gleich für die Abschaffung der Festivals schlechthin. Dabei machten doch immer die Ausnahmen die Musik, und es liesse sich mit Grund andersrum argumentieren: für noch mehr Festivals, aber kleinere, mit schärferem Profil, eigenwilligerer Dramaturgie, rigoroserem Programm. Wer alles bringt, bringt allen etwas und keinem das Seine. Schon wahr, dass alles fliesst, im sogenannten Jazz wie irgendwo daneben. Aber eben deshalb haben Spezialitätenköche ihre Chance. Veranstalter, die in schöner Unbekümmertheit nichts anderem folgen als ihrer eigenen Leidenschaft. Willisaus Niklaus Troxler ist so ein Fall, noch immer. Und, ganz anders, Roman Schwaller.

 

Der Bauch des Gargantua

 

Schwaller hat als Musiker ohnehin keinen Grund, aus seinem Temperament eine Mördergrube zu machen und ein allerweltmusikalisches Festival zu verwalten. In seinem Heimatort Frauenfeld erfand er ausserhalb der Sommerfestspiel-Routine ein Festival ad personam, sozusagen: in zweijährigem Rhythmus, mit Workshops, Club-Sessions, Konzerten in jedem Format, vom Solo-Rezital bis zum Big-Band-Auftritt. Der stilistischen Ausrichtung nach moderner Mainstream, versteht sich (weil Schwaller sich da auskennt), aber unter bemerkenswerter Vermeidung von fundamentalischem Starrsinn. (Da hatte, bei der letztjährigen vierten Auflage des Festivals, immerhin auch Irène Schweizer ihren Auftritt, die Grande Dame der Schweizer Avantgarde).

 

Schwallers Festival heisst «generations», und das steht für ein altersklassenloses Programm. Es funktioniert inzwischen so gut, dass es von Jazz ’n’ More (wer sagt’s denn) zu einem «der besten Jazzevents Europas» erhoben wurde. Und: Ein (nicht kommerziell vertriebener) Querschnitt durch die Ereignisse vom Oktober 2004 auf CD ist beeindruckend, die Kulturstiftung des Kantons Thurgau hat davon noch ein paar Exemplare zu vergeben.

 

Schwaller selbst ist darauf, fast zu viel der Bescheidenheit, nicht zu hören. Dafür offenbart seine jüngste CD sein musikalisches Glaubensbekenntnis. Im Trio, der schwierigsten Konstellation für einen Saxofonisten, unterstützt von seinem langjährigen Partner Jimmy Cobb und dem magistralen Kontrabass von Isla Eckinger, fliegt er durch ein paar ausgewählte Kapitel aus dem Songbook von Billie Holiday: von «Yesterdays» bis «Body and Soul». Er entwickelt ein muskulöses Gegenprogramm zur durchsichtig hinfälligen Vokalkunst von Lady Day, lässt anderseits, ohne Piano- oder Gitarren-Unterstützung, auch eine spröde Skizzenhaftigkeit zu. Wo die Holiday die Standards ins Ätherische auflöste oder mit einem Schuss grünen Gifts flambierte, ist Schwallers Resonanzraum der Bauch des Gargantua. Ein Urväter-Tenorsound, halb roh runtergesäbelt vom T-Bone, Erzählungen in grossen Bögen und einer handfesten Lapidarpoesie, über welcher der homerische Glanz einer beinahe untergegangenen Saxofonkultur leuchtet. Suchte die im Volumen kleine, in der Intensität eindringliche Stimme der Holiday beim Zuhörer mit jedem Ton um Schutz und Zuflucht nach, verbreitet Schwaller eine souveräne Fraglosigkeit. Dexter Gordon, Booker Ervin, Gene Ammons, Clifford Jordan – die ganze Bop- und Post-Bop-Tenortradition ist bei ihm in eine eigene musikalische Identität eingeschmolzen und verwandelt.

 

Wer in der Lage ist, das Original mitzuhören, erlebt erst die ganze perspektivische Doppelbödigkeit des Unternehmens. Von der trüben Routine unzähliger anderer Holiday-Hommagen ist es denkbar weit entfernt.

 

   

 

Swiss Jazz Club an der Midem 2003, Cannes

 

Drei andere Tenöre

Und schliesslich die "drei Tenöre", gemeint sind Andy Scherrer, Roman Schwaller und Domenic Landolf, ts. Bereits im Vorfeld behauptete Schwaller, dies sei die beste Band, die er je geführt hat. Wie Recht er doch hatte! Die sechs Akteure rissen die Zuhörer schlicht vom Hocker. Was Scherrer da geboten hat, ist höchste internationale Klasse und die beiden Kollegen liessen sich ihrerseits nicht lumpen, gaben ihr Bestes und gingen, den brillanten Vorgaben des Doyens Scherrer folgend, unaufhörlich an die, ihrerseits weit gesteckten Grenzen. Zwei spektakuläre Auftritte, zumal da noch ein Powerhouse von Rhythmusgruppe agierte, die für europäische Begriffe jenseits der Norm das Geschehen unterstützte. Insbesondere Claus Raible, überzeugter Bud Powell/ Monk Verfechter, spielte mit einer Leichtigkeit über die wirklich komplexen Formen der Titel hinweg, die zu Begeisterungsstürmen führen musste!

Mario Gonzi, dr; und Thomas Stabenow, b; kennt man als soliden Rückhalt des VAO, auch hier gab's absolut nichts zu bemängeln. 

 

Kurt S. Weil

Jazz'N'More, Das Schweizer Jazz & Blues Magazin, 1/2003

 

 

Der Bund, Bern, 22. Januar 2003

 

Drei drei Kontrasttenöre

Pazifistische "Battle"

 

Wenn sich früher mehrere Tenorsaxophonisten die Bühne oder das Studio teilten, bedeutete dies in aller Regel „Showdown“ mit anderen Mitteln, also glühende Hörner statt rauchende Colts. Nun haben drei Schweizer Jazzer die Idee der Tenor „Battle“ aufgegriffen: der „alte Fuchs“ Andy Scherrer, Roman Schwaller, Haudegen im reifen Mannesalter, und der nicht mehr ganz neue, dafür umso fulminantere Newcomer Domenic Landolf. Auf der Bühne standen also ein Lehrer, Scherrer, und zwei ehemalige Schüler (es gibt ja kaum einen beachtenswerten Schweizer Tenoristen der mittleren oder jüngeren Generation, der nicht bei Maestro Scherrer studiert hätte!).

 

Die drei Tenöre richteten kein Gemetzel an, veranstalteten aber auch kein reformpädagogisches Seminar. Mit anderen Worten: Ihnen glückte ein attraktives Konzert mit leisen und lauten Tönen. Für Kontraste sorgten nicht nur die ganz unterschiedlichen Spielweisen der Hauptprotagonisten, sondern auch das anspruchsvolle Repertoire, das aus Eigenkompositionen und Klassikern bestand, wobei ein Schwerpunkt bei Thelonious Monk lag, der mit „Think Of One“, „Reflections“ und „Ask Me Now“ vertreten war.

 

Markiert Scherrers vornehmlich im avancierten Postbop der Sechzigerjahre verankerte Spielweise so etwas wie die goldene Mitte, so nimmt Schwaller eine Position ein, die sich noch tiefer in die Tradition vergräbt; Landolfs progressives Spiel schliesslich oszillierte auf ungemein bezwingende Weise zwischen überraschender Persiflage und tollkühner Abstraktion. Auch im klanglichen Bereich geht jeder Saxofonist eigene Wege. Scherrer lässt das Raffinierte roh und das Rohe raffiniert erklingen, Schwaller gibt sich vornehmlich angriffig und bissig, scheut aber auch vor dem einen oder anderen lasziven Schlenker nicht zurück. Landolf amalgamiert Lyrismus mit Sarkasmus.

 

Grossen Anteil am Gelingen des umjubelten Konzertes im ausverkauften Musikkeller der Dampfzentrale hatte die tadellose Rhythmusgruppe mit dem begnadeten „Einheizer“ Mario Gonzi am Schlagzeug, dem Kontrabassisten Thomas Stabenow, der mit lässiger Eleganz den Fels in der Brandung mimte, und dem Pianisten Claus Raible. Letzterer war wohl für viele die Entdeckung des Abends. Auf eigensinnige Weise knüpft der Münchner bei den Piano-Pionieren des Modern Jazz an; waghalsige Linien à la Bud Powell und skurrile Schlenker à la Monk verbinden sich zu einer Mélange, die in unseren von Evans-Epigonen und Möchtegern-Jarretts dominierten Zeiten erfrischend unorthodox klingt.

 

Tom Gsteiger

 

 

Thurgauer Zeitung (Konzert am 20. Januar 2003, Eisenwerk Frauenfeld)

 

Schillernde Dreistimmigkeit

Die Idee der «Three Generations of Tenor Saxophone» reicht bis in die mittleren 80er-Jahre zurück, als Roman Schwaller mit seinen zwei grossen Kollegen Sal Nistico und Johnny Griffin in München für Furore sorgte.
Die «Three Generations of Swiss Tenors» ist eine geglückte Schweizer Variante dieses intelligenten Konzepts.


Davon konnte man sich am Sonntagabend im bis auf den letzten Platz besetzten Vorstadttheater des Eisenwerks überzeugen. Die drei Schweizer Vorzeige-Tenoristen Andy Scherrer, Roman Schwaller und Domenic Landolf bewiesen gemeinsam mit den beiden Deutschen Claus Raible (Klavier) und Thomas Stabenow (Bass) sowie dem Wiener Schlagzeuger Mario Gonzi, was für farbenprächtige Folgen ein solches Zusammentreffen haben kann. Die Idee, ein Programm zusammenzustellen, in dem Kompositionen oder Arrangements der Bandmusiker im Zentrum stehen entpuppte sich als kluger Schachzug. Jeder nutzte die Möglichkeiten des Sextetts auf seine Weise – in vielgestaltigen Choreografien war die Band immer wieder neu zu erleben.


Roman Schwaller präsentierte sein durch alle zwölf Tonstufen führendes Thema «Some Changes In Life» in bunt schillernder Dreistimmigkeit. Seine windungs- und wendungsreichen Soloauftritte veredelte er mit glanzvoller, eleganter Cantabilität. Mit wohldosiertem dramatischem Kalkül und aufwühlend emotionaler Melancholie interpretierte er die Ballade «Reflections». Der über zwölf Jahre jüngere Tenorsaxofonist Domenic Landolf fand in der verwinkelten Welt von Thelonious Monks «Think Of One» die passende Grundlage für sein mutig kontrastreiches rhythmisch unberechenbares und eigensinniges Improvisieren. Immer wieder schaffte er das kleine Wunder, scheinbar Unzusammenhängendes zu komplexen, bizarrer Grösse zusammenzufügen. Andy-Scherrer hatte sich zu seinem Stück «Tuberiferous», was übersetzt «wurzelig» heisst, etwas Besonderes einfallen lassen; in einer Art Stafette spielte jeder der drei Tenoristen nur einen Teil des Themas.  Im selben Stil, in stetig sich vergrössernder Kadenz, ging es weiter in den darauf folgenden, freier und unterschiedlicher werdenden Improvisationen. Die verästelt ineinander fliesenden Übergange und die sich herausbildenden vielschichtigen Charaktere der Solisten multiplizierten sich zu einem wahrhaft «wurzeligen» Klangerlebnis. Wunderbar lyrisch, ohne einen Ton zu viel in schnörkellos klassischer Ästhetik begeisterte Scherrer über die -Ballade «Blood count» von Billy Strayhorn. Er konnte aber auch anders - mit einer gewaltigen Bebop-Einlage während seiner Komposition «Second step» brachte er die Luft im (ohnehin überheizten) Vorstadttheater zum Kochen. 

 

Ein Mann, ein Klavier
 

Um das Klavier, das man für diesen Anlass die Treppe hoch geschleppt hatte, war Claus Raible wahrlich nicht zu beneiden.  Der Satz des Veranstalters Steff Rohrbach über «echte Männer, die noch auf akustischen Instrumenten spielen», bekam da plötzlich eine ganz neue Bedeutung.  Claus Raible war ein Mann und ertrug das verstimmte Klavier samt Stapelstuhl, den man vermutlich noch irgendwo gefunden hatte, mit stoischer Gelasseinheit. Er liess es sich nicht nehmen, die akkordisch imposante Intrade zu seinem Stück «Even Ivan» - einem waren Rhythmus-Spektakel - abzufeuern. Das Klavier hätte es wohl kaum für möglich gehalten, auf seine alten Tage noch einmal in solch Schwindel erregende Sphären gehoben zu werden. Raible's Fingerakrobatik mit fliegenden Lagenwechseln und temporeichen Kaskaden, aber auch sein von Monk inspiriertes, unpoliert schroffes Spiel mit widerspenstigen Querständen hoben die instrumentalen Unzulänglichkeiten weitgehend auf. Angenehm unaufdringlich, transparent und druckvoll swingend liess Mario Gonzi am Schlagzeug die Funken sprühen. Mit der ihm eigenen, unnachahmlichen Energie und Dynamik hielt er das Sextett auf Trab und steigerte sich in seinen Soloauftritten zu wirbliger Expressivität, wofür er begeisterten Applaus bekam. Herrlich ironisch-unterkühlt zelebrierte Thomas Stabenow seinen Blues «Chutney» am Bass.  Er stellte eindrucksvoll unter Beweis, weshalb er seit Jahren als der gefragteste deutsche Jazzbassist gilt.  Seine verblüffende technische Präzision, und die Gabe, technische Spielereien organisch und nachvollziehbar in musikalische Rhetorik zu verwandeln, sprachen für sich. 
 

Emanuel Helg

 

 

Südkurier, "Kultur in der Region", 10. Februar 2005

 

Roman Schwallers Nonett auf dem Wolfsberg im thurgauischen Ermatingen

Nicht nur für Kenner

 

Roman Schwaller aus Frauenfeld, wohnhaft in München, gilt als einer der besten Tenorsaxophonisten Europas mit Koryphäen wie Ferdinand Povel, Gianni Basso oder Jesper Thilo und hat wie kaum ein anderer den Straight-Ahead-Jazz perfektioniert.

Sein aktuelles Projekt ist eine Neun Mann-Besetzung, mit der er auf dem Wolfsberg in Ermatingen (Thurgau) ein außergewöhnliches Konzert gab.
Man erinnere sich an das legendäre Nonett vom frühen Miles oder auch an die Einspielung „Nica’s Tempo“ von Gigi Gryce. Ähnlich in der Aussagekraft geraten Schwallers Arrangements zu einer gelungenen Umsetzung seiner Eigenkompositionen. Beeinflußt von den frühen Bop-Arrangeuren, die seinerzeit eine traditionelle Schreibweise mittels Klangfarben aus der klassischen Musik verschmelzten, hört man bei seinem Programm „The Original Tunes“ einen Gil Evans oder John Lewis sofort heraus. Doch anstatt zu kopieren und zu reproduzieren wird Schwaller seiner Eigenständigkeit mehr als gerecht, erweist sich seine Darbietung als echte Wohltat nicht nur für Kenner der
Jazzmusik.

Für seine Traumbesetzung, bestehend aus typischen Jazzinstrumenten und klassischen Instrumenten (am Waldhorn und an der Tuba die beiden aus Amerika stammenden Christine Chapman und Ed Partyka), versammelt Schwaller wie gewohnt überragende Mitstreiter. Auf „Love someone you like“ über den Harmonien eines altbekannten Standards ähnlichen Namens bedingt sich neben Schwaller der Münchner Trompeter Peter Tuscher ein Solo aus, das zuweilen an den frühen Kenny Dorham erinnert. Die amerikanische Waldhornistin Christine Chapman verabschiedet das Schlußthema schließlich mit einer großen Sexte, ein Traum! „Some changes in life“, ein farbenreicher Walzer durch alle zwölf Tonarten, featured Schwaller im Thema als auch bei einem Solo, das sicherlich den Duktus eines Johnny Griffin aufweist. In „La ballade pour pipette“ stellen sich unter anderem der großartige
Baßklarinettist Domenic Landolf aus Basel und der ebenso umwerfende Pianist Claus Raible aus Bayerns Landeshauptstadt München vor. Schwaller selbst begeistert mit seinem melancholischen Gespür, daß einem Dexter Gordon zur Ehre gereicht. „I should have known“ gestaltet sich zum Tour de force, hierin stellt der Wiener Schlagzeuger Mario Gonzi unter Tutti-Einsätzen sein solistisches Potenzial unter Beweis. Auf „A line for two“ gelingt die zugrundeliegende Broadwaymelodie „Alone together“ nicht nur im Unisono zwischen Baßklarinette und gestrichenem Kontrabass des Münchner Thomas Stabenow beim Vorstellen des Themas. Pianist Raible erinnert an Bud Powell (und dessen linke Hand), Elmo Hope und Sonny Clark und beendet seine Darbietung mit einer einfallsreichen Lenny Tristano-Modulation. Stabenow soliert erhaben unter geschmackvollen Tuttis der gesamten Band. „Ready-set-go!“ als ein typischer Hardbop-tune dient unter anderem dem Münchner Posaunisten Johannes Herrlich als dankbares Vehikel für seine geschmackvollen Linien. Dem großen Bopdrummer Kenny Clarke ist „Epitaph for Klook“ gewidmet, düster und doch voller Poesie, die Trompeter Tuscher abwechselnd mit Schwaller einfallsreich vorstellt. Eine Ballade, die in einem wunderschönem
Tutti gipfelt, bevor Stabenow den solistischen Schlußpunkt setzt. Zum Schluß eine Nummer, die an die Schreibweise eines Benny Golson erinnert: „Pacific view drive“, in der Bassklarinettist Landolf ein wunderbares Zitat nach dem anderen einbringt („Crazy rhythm“, „Santa Claus is coming to town“, „Parisian thoroughfare“). Als Zugabe sozusagen „The loco motive“, mit Mario Gonzi als einzigen Solisten, der sein Drumset zum Swingen bringt wie kaum ein anderer in Europa.

Bravo! Schwallers Formation als überzeugend darzustellen, wäre noch zu wenig. Er selbst ist sich in all den Jahren treu geblieben, indem er seine Vision von klassischem Jazz unbeeindruckt umsetzt entgegen aller heutigen Trends. Hierfür danken wir ihm von ganzem Herzen!

Patrick Manzecchi

 

 

Süddeutsche Zeitung (Münchner Kultur), 30. Juni 2003
 

Roman Schwaller Nonett

Tollkühnheiten

 

Der Tenorsaxophonist Roman Schwaller, mit seinem Nonett in der Reihe „Jazz im Gärtnerplatz“ zu Gast, ist mehr als nur ein guter Jazzer. Seine Wortspiele, die er als Moderator von sich gibt, sind eine Klasse für sich. Da erzählt der Schweizer mit dem vital-sprudelnden Sax-Sound die tollkühnsten Geschichten über die Entstehung seiner Arrangements. „Loco motive“ etwa, das Stück, bei dem er aus gegebenem Anlass dem Happy-Birthday- Thema neue Harmonien untergeschoben hat, um dann zu diesen Harmonien eine neue Melodie zu erfinden. Klingt hübsch skurril, was er da mit seinen acht Kollegen zaubert. Und jeder Versuch des Publikums im Gärtnerplatztheater, das von Schwaller aufgefordert war, an geeigneter Stelle nach Belieben das Geburtstags-Thema drüberzusingen, musste scheitern. Der Standard „Alone together“ wird bei Schwaller zu „A line for two“, Doppeldeutigkeiten beabsichtigt.

In Schwallers Nonett sind spezifische Jazz-Stilistiken vertreten. Tubist Ed Partyka und Schlagzeuger Mario Gonzi hielten das Artifizielle des Vienna Art Orchestra hoch, wo sie Mitglied sind. Die Amerikanerin Christine Chapman (Waldhorn) bildete zusammen mit Domenic Landolf (Bassklarinette), Johannes Herrlich (Posaune) und Peter Tuscher (Trompete) die für Jazzbesetzungen recht ungewöhnliche Bläserfraktion. Und Thomas Stabenow, als Bassist in nicht gerade wenig Projekten engagiert, ergänzte zusammen mit dem Münchner Bebop-Pianisten Claus Raible das Feld um zwei in der Jazzszene bestens ausgewiesene Individualisten. „Ready-set-go“ hieß der Auftakt-Titel. In diesem Sinne hätte es vor gut gefülltem Hause auch nach zwei Stunden ruhig noch weitergehen können.
 
Ulrich Möller-Arnsberg

 

 

Charlie Haden / Pat Metheny und das Roman Schwaller Nonett  an der 34. Internationalen Jazzwoche Burghausen - Passauer Neue Presse, 9. Mai 2003

 

Fragwürdiger Anfang, kreatives Ende

"We like to play for people, who listen", äusserte sich der bekannte Kontrabassist Charlie Haden im Rahmen des Eröffnungskonzertes zur diesjährigen und damit 34. Internationalen Jazzwoche in Burghausen, das er zusammen mit dem Gitarristen Pat Metheny in der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Wackerhalle am Mittwochabend gestaltete. Damit wollte Haden dem Publikum seine Anerkennung darüber aussprechen, dass es die Fähigkeit besass, wirklich konzentriert zuzuhören. Diese Fähigkeit war aber auch dringend notwendig, denn erstens begann das renommierte Festival durch das Konzert dieses lyrischen Duos dieses Jahr nicht gerade mit einem Paukenschlag, sondern mit sehr innigen und leisen Klängen und zweitens forderten gerade Letztere, zumindest was Charlie Haden anbetrifft, dem Publikum nicht selten doch einiges an Geduld ab... 

 

...der Gitarrist überzeugte zwar im allein gespielten Intro durch die meditative Weltmusik auf seinem 42-saitigen Harfengitarren-Unikum...aber auch in seinem Spiel waren stereotype Strukturen, welche die grosse Kreativität etwas vermissen liess.

 

Selbige besass hingegen das Nonett um den Schweizer Saxophonisten Roman Schwaller, das im zweiten Teil dieses Eröffnungskonzertes zu hören war. Dies lag natürlich zum Teil auch an den innovativen Eigenkompositionen, die Schwaller an diesem Abend mit seiner Mini-Big-Band über die Bühne liess. Wenn Bassklarinette zusammen mit dem Kontrabass eine zweistimmig prickelnd ausgetüftelte Walking-Line anstimmt, das Swing-Thema der Nummer für nur einen Takt in einen fetzigen Bebop fällt und der Pianist rein äusserlich den Eindruck erweckt, als sei er nur zufällig auf eine kleine Session vorbeigekommen, dann aber in seiner linken Hand eine unglaublich packende Bebop-Harmonik an den Tag legt und zudem in den Soli eine erfrischend unorthodoxe Melodik zelebriert, dann hat das in der Tat etwas von grosser internationaler Klasse. Manchmal bestach in Schwallers Nummern aber auch schon allein die durch raffinierte Bläserarrangements erreichte Nichtalltäglichkeit der Klangfarben. Roman Schwaller selbst bewies an diesem Abend, wie auch sein Pianist Claus Raible, sein Trompeter Peter Tuscher, sein Bassklarinettist Domenic Landolf und die anderen Solisten der Formation in den Improvisationen eine breite Ausdruckspalette, die neben packenden Virtuositäten auch nachdenklichere Phrasen umfasste. So vernahm man in Burghausen einen durchwachsenen Eröffnungs-Abend mit mittelprächtigem Anfang und beeindruckendem Ende. Das Publikum nahm beide Formationen gut an, was für Pat Metheny (und vor allem in Bezug auf Charlie Haden) doch etwas erstaunen konnte.

 

Stefan Rimek

 

Mehr von Stefan Rimek über die 34. Internationale Jazzwoche Burghausen in der Juniausgabe der Jazzzeitung München/ Hamburg!

 

 

Radio Magazin, 6/2003

 

Der Gastgeber im Rampenlicht

einer Heimatstadt Frauenfeld hat der Saxofonist Roman Schwaller das Festival „generations“ beschert, bei dem er als künstlerischer Leiter amtet. Seinen letztjährigen Auftritt hat DRS 2 für „Jazz Live“ mitgeschnitten.

„Three Generations of Swiss Tenors“ nannte sich das jüngste Projekt des Saxofonisten Roman Schwaller. Zwischen seinem ehemaligen Lehrer Andy Scherrer und seinem jüngeren Kollegen Domenic Landolf repräsentierte der 1957 in Frauenfeld geborene Jazzmusiker dabei die mittlere Generation. Dass es unter den Beteiligten trotz Altersunterschieden zu keinerlei Konflikten kam, hängt mit dem gemeinsamen Geist zusammen, aus dem heraus ihre Musik entsteht. Würde er in einer Flasche gefangen, könnte man die Etikette „Straight Jazz“ draufkleben. Dass das Bekenntnis zur Jazztradition verschiedenste Generationen vereinigen kann, hat Schwaller in seiner langen Laufbahn immer wieder erlebt. So holte er häufig ältere Vorbilder wie Johnny Griffin oder Sal Nistico, Mel Lewis oder Jimmy Cobb in seine Kleinformationen. Zehn Jahre lang reiste er mit Mathias Rüeggs Vienna Art Orchestra durch die Länder und galt in dieser Band gewissermassen als Traditionspfeiler. Weitere zwei Jahre verbrachte er als erster Tenorsaxofonist in der Bigband des Norddeutschen Rundfunks und lernte dabei unterschiedlichste Jazzgrössen kennen.

 

Back to the roots


Im März 1996 kehrte Schwaller nach fast 20-jährigem Dasein als Auslandschweizer in München in seine Thurgauer Heimat zurück. Weil er aus seinem Bekenntnis auch zuhause kein Geheimnis machen wollte, rief er das Festival „generations“ ins Leben. Musiker aus verschiedensten Altersgruppen, aus Amerika genauso wie aus Europa, sollten sich dabei treffen, Newcomers sollten von den Stars in Workshops lernen und mit ihnen in Jamsessions und Konzerten zusammenspielen. Schwaller zog als Gastgeber und künstlerischer Leiter in den bisherigen drei Festivalausgaben  die Fäden eher aus dem Hintergrund. Aber er wäre kein Jazzmusiker, hätte er sein Horn während der achttägigen Veranstaltung im Koffer schlummern lassen. Letztes Jahr ergab sich die Gelegenheit, sein Programm mit dem Titel „The Original Tunes“ dem Festivalpublikum in einem Konzert darzubieten. Im Jahre 2000 hatte er von der Kulturstiftung Pro Helvetia nämlich einen Kompositionsauftrag erhalten. Schwaller schrieb seine Stücke für ein bläserlastiges Nonett, das von der instrumentellen Besetzung her ein wenig an das legendäre Miles Davis Capitol Orchestra und seine Cool-Jazz-Innovationen erinnert. Konzeptionell allerdings tun sich markante Unterschiede vor allem in Bezug auf die grossen Freiräume der Solisten auf, die zudem alle eher einem avancierten Hardbop-Ideal als einer coolen Spielhaltung verpflichtet sind.

 

Starke Mini-Big-Band


Einer der Frauenfelder Hauptsolisten neben Schwaller war – wie schon bei der Uraufführung – der Deutsche Peter Tuscher auf der Trompete. Dann profitierte der Leiter aber auch von der Anwesenheit einiger Masterclass-Lehrer, so dass auch das weitere Line-up mit bekannten Namen durchsetzt war. In der Reihe der Bläser sassen der Australier Adrian Mears (Posaune), die Schweizer Claudio Pontiggia (Waldhorn) und Domenic Landolf (Bassklarinette) sowie der Tubaspieler Ed Partyka von der aktuellen Ausgabe des Vienna Art Orchestra. Die All American Rhythm Section mit Don Friedman (Klavier), George Mraz (Bass) und Adam Nussbaum (Schlagzeug) bildete das starke Rückgrat dieser Mini-Bigband. Sie eröffnete ihr Konzert übrigens mit einem Titel, der sonst den Fallschirmspringern als Startsignal gilt: „Ready-Set-Go!“. Kein Wunder: Roman Schwaller ist nicht nur ein Meister auf dem Tenorsaxofon, er ist auch ein Herr der Lüfte.


Bruno Rub

 

 

Donaukurier, (Konzert am 18.10.2001, Audiforum, Ingolstadt)
 

Es tummelt sich alles, was Rang, Namen und einen Schalltrichter hat. Sechs Hörner – große, kleine, dicke, dünne, krumme, gerade, hohe, tiefe. Nichts Einheitliches, Gerades, sondern heterogener, komplexer Schall. Mit einer wichtigen Gemeinsamkeit: Jedes der Blasinstrumente erfährt an diesem Abend im museum mobile des Ingolstädter Audi-Forums eine höchst virtuose Bedienung. Und das Meer der Nuancen, Klangfarben fügt sich zu einem mächtigen, fliegenden Sound. Ein Paternoster für Stimmungen, Emotionen, Philosophien. Etwas, das im Jazz eben nur eine Formation kann, die größer ist als eine Small Group, aber nicht die Breiigkeit und Unbeweglichkeit einer Big Band vor sich herschiebt.


Im Prinzip hat Roman Schwaller mit der Zusammenstellung seines internationalen Nonetts alles richtig gemacht. Der Schweizer Tenorsaxofonist bietet seinen Zuhörern eine Mischung aus dem, was Jazz einfach unverwechselbar erscheinen lässt, ohne gleich in die Rubrik „Gemischtwarenladen“ abzugleiten: Knackige Tutti, verästelte Arrangements, grandiose solistische Intermezzi und unwiderstehlichen Swing. Ganz davon abgesehen, dass er sich selbst und seinen Musikerfreunden damit einen lang gehegten Herzenswunsch erfüllt. Nur das Publikum nahm diese Steilvorlage am Donnerstagabend wieder einmal nicht auf. Auch beim zweiten Konzert der Reihe „Jazz im Audi Forum“ (das ausverkaufte Gastspiel von Freddie Hubbard musste wegen der Ereignisse des 11. September abgesagt werden) blieb gut die Hälfte der Stühle unbesetzt. Gerade aber wegen der diesmal wirklich vorzüglichen Akustik des museum mobile sollten sich die Veranstalter (Audi-Forum und „Birdland“-Jazzclub Neuburg) nicht entmutigen lassen. Die große Bühne im Kinosaal böte genügend Entfaltungsspielraum, um die Phantasie aus ihrem Käfig zu befreien. Schwallers Nonett münzte die anfangs leicht unterkühlte Stimmung in einen Brückenschlag zwischen den poetischen Notenfeldern der Moderne und den ästhetischen Parametern der Cooljazz-Phase eines Miles Davis um. Keine überkochende Bebopsuppe, sondern eher ein prickelnder Soda auf Eis mit einem Schuss Gin. Jedes Solo wirkt, als ob es mit der Kippe zwischen den Fingern gespielt wurde: lässig, relaxt, aber durchaus konzentriert. Die „Exoten“ unter den sechs Bläsern stecken dabei den Claim ab.


Der junge Schweizer Domenic Landolf an der Bassklarinette im schattenumwehten „A Line For Two“ mit eigenwillig brummelnder, cooler Linienführung. Der New Yorker Tom Varner, der es in „La Ballade pour Pipette“ verblüffend versteht, sein Waldhorn (!) mit der rechten Hand im Schalltrichter wie eine Trompete zu modulieren. Oder der erstaunlich behände österreichische Tubist Ed Partyka, dessen Koloss sich gerne und oft mit tänzelnden Bocksprüngen in den Vordergrund drängt. Die „konservative“ Frontline koloriert dezent die offenen Freiflächen: Peter Tuscher am Flügelhorn als unnachahmlich lyrischer Erzähler, Johannes Herrlich an der Posaune mit wellenförmigen Bluesfiguren und Boss Roman Schwaller im klassischen Tenorsax-Duktus als expressiver Frager. Mit Hilfe ihres natürlich autoritären Rhythmustrios (Piano: Claus Raible, Bass: Thomas Stabenow, Drums: Mario Gonzi) gelingt ihnen Musik von der Qualität einer hölzernen Skulptur: fein gedrechselt, warm, spannend, voller verborgener und offener Reize.


Reinhard Köchl

 

 

Neuburger Rundschau, (Konzert am 18.10.2001, Audiforum, Ingolstadt) 

 

Der Schweizer Roman Schwaller ist einer der profiliertesten Saxophonisten Europas. Mit seinem neunköpfigem Large Ensemble gastierte er im Rahmen einer Kurztournee im Ingolstädter Audiforum.


Das ist durchaus etwas Besonderes: Neun Männer auf der Bühne, jeder von ihnen ein veritabler Könner seines Faches, die meisten selbst Leader ihrer eigenen Bands. Gemeinsam verwirklichen sie Jazz im Large Ensemble, wie er gepflegter kaum vorstellbar ist. Elegant durchsichtige Arrangements, reichlich Platz für Soli aller Beteiligten, gestochen scharfe Tutti und organisch einander ergänzende Klangfarben, das Roman Schwaller Nonett lässt nichts zu wünschen übrig. Nicht zuletzt die beiden jazzigen Instrumentalexoten, Tom Varner am Waldhorn und Domenic Landolf an der Bassclarinette, tragen bei zu einer faszinierenden Variabilität des Klangbildes, das changierend fließt wie ein Herbstwald in sanfter Brise.


Ein Who is Who der süddeutschen Jazzszene hat sich Tenorsaxophonist Schwaller zusammengesammelt um seine Kompositionen ins Leben zu setzen: Mit dabei sind der Linzer Trompetenprofessor Peter Tuscher, der variable Posaunist Johannes Herrlich, Ed Partyka an der Tuba, der expressive Bebop Pianist Claus Raible, die Münchener Kontrabassinstitution Thomas Stabenow und der Wiener Mario Gonzi, einer der markantesten europäischen Schlagzeuger.


In elegant ausbalanciertem Zusammenklang zeigen diese glorreichen Neun, auf welch hohem Niveau ein großes Ensemble spielen kann, seien es federnde Bebopattacken wie in "The Loco Motif", kühle Brisen von der Westküste wie in "Pacific View Drive" oder die samtblaue "Ballade pour Pipette". 


Dr. Tobias Böcker

 

 

Jazzthing 08/2002, Jazzmeeting Unterföhring

 

...Roman Schwaller war mit seinem Nonett zu Gast und erinnerte mit fein differenzierten Arrangements an Thad Jones-Mel Lewis Tage...

 

Ralf Dombrowski

 

 

Süddeutsche Zeitung, 29. Juli 2002, Jazzmeeting Unterföhring

 

...seine Post-Bop-Exercitien sind eigentlich sprerrig genug, um erst im intimen Jazzclub-Rahmen richtig zur Geltung zu kommen. Hier aber war der Boden bereitet für Schwallers Truppe, die einer All-Star-Band des deutschsprachigen Raumes nahe kommt. Ob der mit eigenwilligen Single-Note-Spiel glänzende Pianist und New York Heimkehrer Claus Raible, der viel beschäftigte Bassist Thomas Stabenow und "Vienna Art Orchestra"-Drummer Mario Gonzi in der Rhythmusgruppe oder der aufstrebende Johannes Herrlich, der Ausnahmetrompeter Peter Tuscher und der amerikanische Tubist Ed Partyka - alle sind sie selbst erfolgreiche Bandleader. Was sicher bald auch der talentierte Schweizer Bassklarinettist (und Tenorsaxophonist) Domenic Landolf sein wird. Gemeinsam strickte man facettenreich, kosmopolitisch und perfekt arrangiert vorwiegend 80er-Jahre-Kompositionen von Schwaller um. Nach der furiosen Zugabe von "A Line For Two" (bei der unter anderem Ellingtons "Nutcracker-Suite" grüssen liess) war das neue Festival eindrucksvoll eingeweiht. So durfte es weiter gehen.

 

Oliver Hochkeppel

 

 

A-Ballhorn in Jazzthetik 11/02

 

..die kleine Bigband klingt hervorragend, und jeder der Musiker hat seinen persönlichen Weg in Roman Schwallers tricky Kompositionen gefunden. 'The Original Tunes' ist eine gelungene CD mit dichter Musik und Zusammenspiel auf hohem Niveau.

 

 

Abendzeitung München:  7. Dezember 2000

 

"...all jene, die Jazz-Einspielungen noch immer nur kaufen, wenn ein amerikanischer Name auf dem Cover prangt, hätte man an diesem Abend mit verbundenen Augen ins Gärtnerplatztheater einladen sollen: Denn was der seit 1968 in München lebende Trompeter und Flügelhornist Dusko Goykovich mit seiner tschechisch-deutsch-schweizerischen Band bot war absolute Weltklasse. Zum Beispiel der Tenorsaxophonist: Warum immerzu jedem jungen Amerikaner am Tenorsaxophon als neuem Coltrane oder Benny Golson hinterher hecheln, wenn es um die Ecke einen Roman Schwaller gibt mit seinen verdichteten, extrem langen Solo-Lines und seinem perfekten Blending im Zusammenspiel mit Trompete und Flügelhorn?"


Claus Lochbihler

 

 

 

Ulmer Kulturspiegel, Herbst 1983 (!!!), Jazzkeller Sauschdall Ulm

 

In Arbeitskleidung aus den vierziger Jahren

Der schweizerische Tenorsaxophonist Roman Schwaller war sicher vielen Besuchern des Jazzkellers noch von seinem letztjährigen Auftritt mit Charly Antolini in bester Erinnerung als er jetzt sein eigenes Quartett vorstellte. Dazu zählen der Australier Paul Grabowsky am Piano, der wie Roman Schwaller seit längerem in München lebt und hier in Ulm schon verschiedentlich mit Jo Mikovich und Jenny Evans zu hören war, und der Kontrabassist Thomas Stabenow aus Waiblingen, in erste Linie bekannt durch seine Zugehörigkeit zum Ulmer Jazz Quintett. Er hat sich in den letzten Jahren durch sein souveränes Spiel innerhalb der deutschen Jazzszene einen guten Namen gemacht und ist seither Mitglied in mehreren Combos. Der Schlagzeuger Joris Dudli lebt in Wien und ist vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem Vienna Art Orchestra bekannt geworden.

Bebop, Hardbop, Modern Jazz, damit ist die musikalische Arbeit des Roman Schwaller Jazz Quartetts schwerpunktmässig umrissen. Auf diese, die vierziger bis sechziger Jahre beherrschenden Stilrichtungen deutete auch die Kleidung der vier hin, denn sie trugen dunkle Anzüge mit Schlips und Kragen, wie sie damals als "Arbeitskleidung" selbst bei Avantgarde-Musikern üblich war. Heute erweckt man durch solch "ungewöhnliche" Kleidung schon rein optisch Aufmerksamkeit.

Auf dem Programm standen Kompositionen von Thelonious Monk, Horace Silver, Cedar Walton, Benny Golson und von anderen mehr sowie eigene Stücke. Die Standards erfuhren hier aber keine originalgetreue Nacharbeitung - kein Jazzmusiker, zumindest kein guter, würde sich mit blossem Nachspielen zufrieden geben - sondern die vier Musiker gestalteten sie in ihrem Sinne neu, ohne dabei den stilspezifischen Charakter der jeweiligen Themamelodie ausser acht zu lassen.

Durch das hervorragende, letztlich perfekte Zusammenspiel und durch gekonnt verzahnte Einzel- oder Zweieraktionen (Tenor, Piano) ergaben sich packende Abläufe, die meist in mitreissenden Improvisationen gipfelten. Hier dominierten (natürlich) wieder Piano und Tenor, die anzahlmässig zwar geringeren Soli von Bass und Schlagzeug standen qualitativ aber nicht zurück.

Das Publikum, mehrheitlich in der Altersgruppe zwischen zwanzig und dreissig, zollte im gutbesuchten Sauschdall solch erstklassiger Musik mit überschwenglichem Beifall seine Anerkennung.

Text: Peter Göbbel
Bild: Marcellus Kaiser

 

 

 

 

Diverse Kurzzitate über Roman Schwaller

 

  • Schweizer Illustrierte: 02/2000
    "Fix spielend sind sie ja, all die «young lions». 
    Doch wie sehr vielen von ihnen an Reife mangelt, machen CDs wie jene deutlich, die der Schweizer Saxofonist Roman Schwaller während eines Auftritts im Münchner Nachtcafé eingespielt hat. Gemeinsam mit seinen langjährigen Weggefährten Oliver Kent (Piano) und Thomas Stabenow (Bass) sowie der Drummer-Ikone Jimmy Cobb entwickelt er eine luftig swingende und doch ungemein dichte Musik, in der die Raffinesse nie zum Selbstzweck verkommt, sondern in die Tiefe führt."
    Hanspeter Vetsch

 

  • Abendzeitung München: 29./30. Januar 2000
    Mitschnitt mit prominentem Gast .
    Jazz mit nie versiegendem Atem.
    Der Tenorsaxophonist Roman Schwaller bläst lange, sich immer weiter fortspinnende Linien, die elegant und intensitätsgeladen zugleich sind.
    Besonders in einem Stück: Der Thelonious-Monk-Ballade "Reflections" - Höhepunkt eines Mitschnitts aus München, bei dem der amerikanische Stargast Jimmy Cobb (bekannt von Aufnahmen mit Miles Davis und Cannonball Adderley) Schlagzeug spielte. 
    Zum Schwelgen und genauen Hinhören".
    Roland Spiegel

 

  • Süddeutsche Zeitung
    „Und Roman Schwaller ergänzt technisch brillant und erfrischend vital den Swing der Band um den notwendigen Touch der Moderne.“ 
    (30.4.97, Ralph Dombrowski)

 

  • Süddeutsche Zeitung
    „Schwaller bewies mit seinen Titelwortspielen und seiner witzigen Conference obendrein, dass er auch ein geborener Entertainer ist.“ 
    (20.1.97, Oliver Hochkeppel)

 

  • Jazz-Zeitung München / Hamburg
    "...Schwallers offener, warmer Saxophonsound ist sofort erkennbar; sein Boppen klingt nie klischeehaft, oder von gestern...!"

 

  • Linzer Nachrichten
    „Schwaller hat die Sprachen der Jazz-Moderne absorbiert, sich zudem ausführlichst informiert über das, was in seiner speziellen Sache wichtig ist, um inspiriert deren Fortsetzung zu betreiben.“ (1.3.97, Robert Urmann)

 

  • Bündner Tagblatt
    „...führte schon fast im Stile eines guten Show-Masters (die Vienna Art Orchestra Zeit lässt grüssen) durch den Abend und erteilte so ganz nebenbei und diskret eine Lektion lebhaft gelebten Jazz.“ 
    (15.1.97, Domenic Bucheli)

 

  • Jazz Podium
    "...geniesst in der deutsch-schweizerischen Mainstream-Landschaft immer noch den Ruf eines Groucho Marx am Tenorsaxofon. Damit ist jedoch beileibe nicht sein rauhes, vitales Spiel gemeint, sondern vielmehr die Philosophie, mit welcher der 39jährige Schweizer den Jazz sogar 1996 noch zelebriert.“ 
    (April 96, Reinhard Köchl)

 

  • Berner Zeitung
    „Als wär’s ein Sax im All! Roman Schwaller gehört zu den wenigen Tenorsaxophonisten der Schweiz, die international hohes Ansehen geniessen. Die Geschichten, die Schwaller auf seinem Keilwerth zum besten gibt, sind nämlich absolut irdisch, sie stehen auf dem Boden der Tradition der grossen Meister von Gene Ammons und Sonny Stitt, bis Stan Getz und Johnny Griffin.“ 
    (Feb. 96, Ulrich Roth)

 

  • Augsburger Allgemeine
    „Die urige Kraft dieses vitalen Tenorsaxophonisten, seine witzig-intelligenten Kompositionen, der Einfallsreichtum seiner improvisierten Linien, seine Ausgeglichenheit beim Intonieren von Balladen (niemand in Europa bläst „Body And Soul“ ergreifender), sowie die Kompromisslosigkeit seiner Darbietungen bringen tatsächlich den verloren gegangenen Glauben an die Popularität dieses Musikstils zurück.“ 
    (Dez. 95, Reinhard Köchl)

 

  • Tages Anzeiger Zürich
    "Mit Schwaller taucht ein Tenorsaxer wieder auf, der zu den wichtigen Vertretern seines Instrumentes im europäischen Mainstream-Jazz zählt.“ 
    (Dez. 95, Joh. Anders)

 

  • Bündner Zeitung
    „...wobei seine Solos fast schon auf einer anderen Ebene daher kamen.“ 
    (16.3.95, Domenic Bucheli)

 

  • Tageszeitung München
    „...bewies erneut, dass er eine viel zu heisse Kanne bläst, um sich hinter seinen prominenten Kollegen Johnny Griffin und Sal Nistico verstecken zu müssen.“ 
    (21.9.87)

 

  • Süddeutsche Zeitung
    „Geburtstag hatte Roman Schwaller. Aber er und die Seinen taten so, als gelte es, uns zu beschenken. Es ist ihnen gelungen.“ 
    (21.1.87, Baldur Bockhoff)

 

  • Abendzeitung München
    "Als Instrumentalist ist er eine Klasse für sich, beschwingte Leichtigkeit mit Witz und Virtuosität paarend. Der „Stern des Jahres“ für einen der besten europäischen Saxophonisten im Jazz." 
    (12./13.12.87)

 

  • Billboard Magazine
    "Schwaller is a fine player who, using early Coltrane as a point of departure has forged his own very purposeful and trenchant improvisational style." 
    (Mike Hennessey)

 

  • Cadence
    "And there is an aimlesness to some of the material here, but again the strength of Schwaller playing in particular tends to carry this listener through." 
    (July 83)

 

  • ReclamsJazzführer
    "...gilt als einer der profiliertesten europäischen Vertreter seines Instrumentes."

 

 

 

 

 

Pressestimmen aus über zwei Jahrzehnten

Aufgeteilt in folgende Abschnitte:

 

 

 

 

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Roman Schwaller Sextet, Tour Herbst 2005

 

 

 

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Unterfahrt München, 30. September 2005

 

 

 

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Eisenbeiz, Frauenfeld

 

 

 

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Derrick Gardner

 

 

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Roman Schwaller

 

 

 

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Adrian Mears

 

 

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Oliver Kent

 

 

 

 

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Thomas Stabenow

 

 

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Mario Gonzi

 

 

 

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Radio Studio Zürich, 11. Oktober 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Swiss Tenors in der Münchner Unterfahrt im April 2002

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Banner  vor dem Gärtnerplatztheater (ca. 10 x 2 m!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peter  Tuscher

 

 

 

 

 

 

 

Roman Schwaller Nonet bei der Premiere im April 2001 im Münchner Gasteig

 

 

 

 

 

 

 

Kartause Ittingen, Herbst 2001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nonett-Cartoon des bekannten Schweizer Zeichner Igor Kravarik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Roman Schwaller Jazzquartet, Herbst 1983 im Ullmer Jazzkeller Sauschdall

 

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Paul Grabowsky, Joris Dudli und Roman "in Arbeitskleidung aus den vierziger Jahren"!