...and Benny Golson says...[click here]

 

 

 

 

Neue Zürcher Zeitung (NZZ), 26. Januar 2006

Thurgauer Jazzfeuer

kl. Es besteht kein Zweifel: Der Frauenfelder Tenorsaxophonist Roman Schwaller ist einer der besten Jazzmusiker der Schweiz. Und doch hört man hierzulande nur wenig von ihm. Das liegt einerseits daran, dass Schwaller sein Tätigkeitsfeld schon früh nach Deutschland verschoben hat. Andererseits steht er in der Schweiz stilistisch fast allein auf weiter Flur.

Sein jüngstes Werk, das er wohl nicht ohne ein gewisses Augenzwinkern «The Thurgovian Suite» nennt, ist genau der Stoff, aus dem sogenannte Blindfold-Tests gemacht sind. Denn was man da hört, klingt nach Grossstadt, nach New York, nach Art Blakey, Dexter Gordon und Woody Shaw. Von behäbiger Bescheidenheit den im gegenwärtigen Euro-Jazz so beliebten Naturidyllen keine Rede. Für sein glänzendes, intensiv-swingendes, international besetztes Sextett hat Schwaller acht Stücke komponiert und so arrangiert, dass es wie eine kleine Big Band klingt. Da wird geswingt, dass die Post abgeht, und jedes der Bandmitglieder spielt mit Feuer. Und deshalb hat diese faszinierende Musik, die gekonnt auf der Grammatik des Hardbop-Idioms aufbaut, nichts Anbiederndes und nichts Epigonales. Das ist Jazz, basierend auf dem Blues und den konventionellen Harmonie-Progressionen, frei von allen intellektuellen Spielereien. Der australische Posaunenvirtuose Adrian Mears und der Power-Trompeter Derrick Gardner sind ideale Partner für Schwaller, und die Rhythmusgruppe mit Oliver Kent am Klavier, Thomas Stabenow am Bass und Mario Gonzi am Schlagzeug ist eine Klasse für sich.
 

Nick Liebmann


 

 

 

JAZZTIPP,  Aargauer Zeitung, 27. Januar 2006

Urbanes Mostindien

Die Thurgauer Bauern werben für ihr berühmtes Obst mit einem Herrn mit Turban: Ahoi Mostindien!, der Süssmost aus dem Wilden Osten gibt sich weltläufig. Dass aber aus dem Landwirtschaftskanton auch Starker Tobak kommt, dafür sorgen nicht die Bauern, sondern der berühmteste Jazzexport des Thurgaus, der Tenorsaxophonist Roman Schwaller. Liegt es daran, dass er selbst nicht zu den Süssmosttrinkern gehört? Roman Schwallers "Thurgovian Suite" zeigt die lieblichen Baumgärten in einem anderen Licht, verpflanzt Frauenfeld nach Manhattan, führt uns eine Urbanität vor, die wir mit Staunen zur Kenntnis nehmen. Seine Band ist denn auch international, sechs Musiker aus fünf Nationen helfen Schwaller dabei, seine Adoleszenz musikalisch zu verarbeiten. Und wenn man hört, wie sehr "Frauenfeld 1957" swingt, und wie bluesig es im Jahr 1973 in Kreuzlingen zugegangen sein muss, wie wach Schwaller in "Early Morning 1976" ist, fragen wir uns, weshalb er seine Heimat mit zwanzig verliess. Aber immerhin: Er scheint sich mit ihr versöhnt zu haben!

 

Beat Blaser
 

 

 

 

Schweizer Illustrierte, 6. Februar 2006

 

The Thurgovian Suite - Roman Schwaller Sextett (TCB)

 

Der Kanton Thurgau erteilt einem einheimischen Jazzer einen Kompositionsauftrag, und der schreibt "The Thurgovian Suite". Eigentlich logisch, wird da die Hymne "O Thurgau" verjazzt. Nichts da! Roman Schwaller hat acht zeitgemäss klingende Stücke in der Tradition des Hardbop geschrieben, die sich nicht beim Auftraggeber anbiedern. Die Teile der Suite adeln den Tenorsaxofonisten, auch den Komponisten. Bleibt ein Sextett in Sonntagslaune, das die CD zum Weltformat erhebt.

 

Hanspeter Vetsch

 

 

 

 

Thurgauer Zeitung, März 2006

 

CD-TIPP: KLASSIK

Jazzmusikalische Chronik

Das bisher ambitionierteste musikalische Werk des Frauenfelder Weltklasse-Tenorsaxofonisten Roman Schwaller, „The Thurgovian Suite“, ist bei TCB Records SA  "The Montreux Label" auf CD erschienen. Die achtsätzige jazzmusikalische Chronik, welche das Roman Schwaller Sextett im vergangenen Oktober live im Eisenwerk Frauenfeld präsentiert hat, ist eine hoch-unterhaltsame Mixtur aus Arrangements und Improvisationen, die eigentlich in keine Genre-Schublade passt. Das Werk ist zwar unüberhörbar dem „Straight-ahead“-Idiom verpflichtet, dieses dient jedoch letztlich nur als Grundlage für ein sehr freies und überzeugendes Zusammenwirken verschiedenster jazzmusikalischer Stilelemente. Die einzelnen Parts - Frauenfeld1957 – Adolescence – Kreuzlingen 1973 – Encounter – Early Morrning 1976 – Reconnaissances – Expatriation 1977 – Recurrence 1996 – beschreiben programmatisch Schwallers wichtigste Lebensstationen. Das hervorragende Sextett mit dem Trompeter Derrick Gardener, Posaunist Adrian Mears, Schlagzeuger Mario Gonzi, Thomas Stabenow am Bass und Oliver Kent am Klavier, laut Schwaller die beste Band, die er je hatte, präsentiert das anspruchsvolle Werk in seidenglänzendem Klang und kaum zu überbietender Eleganz. (TCB/Phonag)

 

Emanuel Helg

 

 

 

 

News vom 06.04.2006 - 14:00

 

Neue CD - Roman Schwaller Sextet - The Thurgovian Suite

Der Tenorsaxophonist Roman Schwaller veröffentlichte mit seinem Sextett dieses wunderbare Album. Was diese Musiker hier abliefern ist mehr als nur bewundernswert und brillant. Auf diesem Album spielen wirklich Musiker die ihr Handwerk verstehen.
Auf dem Album findet man eine Suite mit acht Sätzen, die aus verschiedenen Parts bestehen. Hier wird Straight-Ahead-Jazz vom Feinsten geboten. Diese CD ist einfach ein muss für jeden, zumal Roman Schwaller einer der wichtigsten Tenorsaxophonisten seiner Generation in ganz Mitteleuropa ist.
Dave

www.jazzdrummerworld.com

 

 

 

 

Jazz'n'More, Schweiz, Ausgabe April / Mai 2006

 

 

 

 

 

 

Jazzthing, April 2006

mainstream - modern

Roman Schwaller Sextet - The Thurgovian Suite
 

(TCB/sunny moon)

Das Schöne an Roman Schwallers Musik ist ihre Zeitlosigkeit. Sie klingt, als sei der Jazz irgendwo bei Charles Mingus oder Oliver Nelson stehen geblieben, ohne dabei allerdings nostalgisch oder gar sentimental zu werden. Vielleicht liegt es daran, dass sich der Schweizer Tenorsaxofonist von Anfang an erfolgreich dagegen gewehrt hat, die stilistischen Kniefälle mancher Kollegen vor den Ahnherren der Avantgarde nachzuvollziehen. Sein Sound ist eigen und klar, im angenehmen Sinne altmodisch oder schlicht modern. Um seine acht zu einer Suite verbundenen, als Hommage an den Kanton Thurgau überschriebenen Eigenkompositionen erinnern an die Farben- und Formspiele der ins Intellektuelle überführten Cool-Ära. Souverän swingboppende Mitspieler wie der Posaunist Adrian Mears, der Trompeter Derrick Gardner oder der Pianist Oliver Kent sorgen für das musikantische Niveau. Schwaller selbst präsentiert sich als eleganter Linienführer mit ausgeprägter melodischer Neigung. Das hat Klasse - wenn es auch keinen Innovationspreis gewinnt.


Ralph Dombrowski
 

 

 

 

Jazztime, Ausgabe April 2006

Roman Schwaller Sextet - The Thurgovian Suite

Während Roman Schwallers Karriere als Tenorsaxophonist bislang immer darauf konzentriert war, sein Können als Jazzmusiker in Bezug auf instrumentale Artikulation und Perfektionierung seines eigenen Stils zu pflegen, hat er vor nicht allzu langer Zeit begonnen, sich auch dem Komponieren und Arrangieren zuzuwenden. Die ersten Früchte dieser neuen Beschäftigung erntete er mit seinem Nonett, ein Projekt, das er nach wie vor am Leben zu erhalten bestrebt ist. Mit seinem neuen Album bezieht er sich auf seine unmittelbare, angestammte Umgebung, den Kanton Thurgau im östlichen Teil der Schweiz und hat eine Suite komponiert, die sich auf frühere oder spätere Ereignisse in seinem Leben stützen. Es ist Schwaller gelungen eine hervorragende Besetzung für sein Unterfangen zu verpflichten, Topmusiker, welche ihn dabei unterstützen, seine musikalischen Ideen und Botschaften perfekt umzusetzen. Für diese Art von anspruchsvollem Projekt wie das vorliegende Album, sind nur die besten verfügbaren Kräfte gut genug. Die sechs Protagonisten zeigen eine unüberhörbare Einheit in ihrer musikalischen Konzeption und ihrer Artikulation, was ihnen erlaubt, die Vorgaben des Leaders bestens umzusetzen. Sowohl die Ensemblepassagen als auch die Soloarbeit jedes einzelnen zeugt von beeindruckendem Verständnis für den Mainstream Jazz im Allgemeinen und das Hardbop-Idiom im Besonderen. Was jedoch nicht bedeutet, dass es sich hierbei um ein eher langweiliges Nachspielprodukt handelt. Der Initiant hat dafür gesorgt, dass dank ungleichen Metren, oft ändernden Formen und verschiedenen Längen innerhalb der Titel die Spannung nie nachlässt und für die Ausübenden eine konstante Herausforderung darstellt. Dieses Album soll als musikalisches Zeugnis dessen empfunden werden, wie ein gestandener Musiker seinen grossen Erfahrungsschatz in wirklich hörenswerte Musik umsetzen kann.

 

 

 

Thurgauer Zeitung vom Mittwoch, 17. Mai 2006, Ressort Kultur

Neues aus Altbewährtem

Das Roman Schwaller Sextett, derzeit auf Europatournee, machte Halt in Frauenfeld.
von Patrick Manzecchi *

Frauenfeld - Der Frauenfelder und Wahlmünchner Roman Schwaller hat in seiner Geburtsstadt am Samstag ein ausgezeichnetes Konzert gegeben. Mit seiner neuen CD im Gepäck hat er wieder einmal beweisen können, warum er zu den Koryphäen des europäischen Tenorsaxofons gehört. Aber nicht nur das: Seit geraumer Zeit der Arrangierkunst verfallen, erarbeitete er mit Unterstützung von Thurgauer Kulturstiftung und Pro Helvetia ein beeindruckendes Gesamtwerk: die «Thurgovian Suite».

In der klassischen Sextettformation - man denke an Art Blakeys Jazz Messengers oder an John Coltrane und sein Meisterwerk «Blue Train» - präsentiert er dank seinen Mitstreitern einen energiegeladenen Rundumschlag in musikalischer Hinsicht. Die Frontline, Schwaller mit dem Trompeter Derrick Gardner und dem Posaunisten Adrian Mears, schuf einen satten, warmen Sound. Die seit Jahren eingespielte Rhythmusgruppe mit Oliver Kent am Klavier, Thomas Stabenow am Kontrabass und Schlagzeuger Mario Gonzi wurde ihrer Rolle der rhythmisch-harmonischen Grundlage mehr als gerecht.

Eigenständige Sprache

Das Programm bestach durch vielfältige Eigenkompositionen, die Schwallers Leben und Karriere paraphrasieren. Seine Lebensabschnitte teilte er in acht Sätze auf, die Genres übergreifen. Da erklingen verschiedene Stilelemente wie Intro, a cappella, Shout Chorus, Backing und Kollektivimprovisation im eleganten Bogen des Zusammenspiels, womit Schwaller einmal mehr beweist, wie er sich lediglich bedient im enormen Fundus der Jazzgeschichte, um letztlich eine eigenständige Sprache zu garantieren. Da blitzen natürlich Vorbilder auf wie Gigi Gryce, Gil Fuller, John Lewis Thad Jones, Jimmy Heath und andere - trotzdem zimmert sich Schwaller seinen eigenen Sound, der nicht wiederzugeben versucht, sondern Neues aus Altbewährtem schafft.

Seine Mitstreiter stehen Roman Schwaller improvisatorisch in nichts nach: Derrick Gardner liess seine Trompete erstrahlen wie seine hörbaren Vorbilder Clifford Brown und Booker Little, unglaublich kraftvoll und sauber in der Intonation. Adrian Mears brillant wie immer, einer der eigenständigsten Könner auf seinem schwer zu meisternden Instrument. Oliver Kent gab in seinen viel zu raren Soli am Klavier eine Kostprobe seines untrüglichen Geschmacks, ebenso Kontrabassist Stabenow. Weshalb man Mario Gonzi als einen der swingendsten Schlagzeuger Europas bezeichnet, war unüberhörbar. Und Schwaller selbst? Er erinnerte zuweilen an den grossen Dexter Gordon, vor allem in der bedacht gewählten Zugabe «Walkin'», einem Klassiker aus den 50ern.

Vorschau auf «Generations»

Dieses hervorragende Konzert in Frauenfeld liess sich als gelungener Vorgeschmack auf Schwallers viel versprechenden Workshop «Generations 2006» im Herbst verstehen, zu dem begabte Nachwuchsmusiker aus ganz Europa zu hochkarätigen Dozenten herbeieilen. So ist es zu verstehen, dass erstaunlich viele junge Menschen anwesend waren, um ein Sonderkonzert der Extraklasse zu goutieren. Die Zukunft des Jazz scheint gesichert. Das allein ist ein Verdienst, das man Roman Schwaller hoch anrechnen muss.

*Patrick Manzecchi ist Schlagzeuger und Musikkritiker und lebt in Konstanz.

 

 

 

 

Jazzthetik 07/06

Roman Schwaller Sextett
The Thurgovian Suite


Was für eine angenehme CD! Der Tenorsaxophonist Roman Schwaller hat es nicht nötig, irgendwelchen angesagten Trends hinterherzulaufen und sich mit "the latest and hippest" abzugeben. Seit Jahren hat er seinen Stil gefunden, und mit seinem sehr eigenen Approach zum Modern Jazz hat mit "The Thurgovian Suite" einen weiteren Meilenstein seiner Karriere geschaffen. Die CD ist autobiographisch, sie erzählt von der Kindheit im Schweizer Kanton Thurgau in seiner ganzen Beschaulichkeit und der Bombe, die mit dem Blues und einer Oscar Peterson Platte in Roman Schwallers musikalisches Weltbild fiel. Schluss mit dem Hirten auf dem Hügel für klassische Klarinette, her mit dem Saxofon und der ganzen Soundbreite von Coltrane, Mobley, Golson und Gordon. Roman Schwaller hat diese Erinnerungen in Noten mit Hilfe eines Stipendiums seines Heimatkantons aufgeschrieben, innerhalb von vier Monaten und in chronologischer Reihenfolge.


Seine Erklärungen im Booklet zu den einzelnen Teilen sind sehr informativ und lassen einen nochmals genauer nachhören. Ein Sextett ist für den Tenorsaxofonisten eine Komprimierung, schliesslich gibt es von ihm schon grossartige Aufnahmen mit neun oder mehr Musikern. "The Thurgovian Suite" beschränkt sich auf ein Minimum - Rhyhtmusgruppe und drei Bläser -, aber was Schwaller, der Trompeter Derrick Gardner und der Posaunist Adrian Mears daraus machen, ist das Maximum: spannende Themen, intelligent ausgesetzt und unglaublich präzise eingespielt, wobei noch jede Dynamiknuance beachtet wird, ein Parameter, der oft vergessen wird. Dass seine Musiker improvisieren und interagieren können, muss nicht extra angemerkt werden. Der Kanton Thurgau kann stolz auf seinen Sohn sein, der mit dieser Suite seine musikalische Heimkehr feiert, denn nach Jahren in München oder als Saxofonist bei Mathias Rüeggs Vienna Art Orchestra ist Roman Schwaller nicht nur wieder Schweizer, er veranstaltet darüber hinaus noch sein eigenes Festival mit Workshops und Jamsessions. Wie schrieb der im Booklet zitierte österreichische Autor Alexander Roda-Roda so schön? "Als Schweizer geboren zu werden, ist ein grosses Glück. Es ist auch schön, als Schweizer zu sterben. Aber was tut man dazwischen?" Da ist Schwaller der Glücklichste, denn er hat für sich eine Antwort gefunden.


Angela Ballhorn

 

 

 

 

Jazzpodium Stuttgart 06/07

Roman Schwaller Sextet
The Thurgovian Suite
TCB 26102


Als in Bern lebender, gebürtiger Thurgauer horcht man auf, wenn ein musikalisches Produkt über den Heimatkanton eintrifft. "The Thurgovian Suite" ist ein CD-füllendes Werk, das mit Unterstützung der öffentlichen Hand realisiert wurde. Der Dank ans Kulturamt macht's deutlich. Initiant Roman Schwaller dankt im Booklet aber ebenso der "History of Jazz", die es ihm ermöglicht hat, diese Musik zu schreiben. Das könnte vermuten lassen, es handle sich um eine Art der Auseinandersetzung mit lokaler Geschichte oder Kultur, so, wie es Duke Ellington mit seiner "New Orleans Suite" und der "Far East Suite" getan hat. Möglich wäre auch die Beschäftigung mit den landschaftlichen Schönheiten der Nordostschweiz, man erinnert sich an Friedrich Smetanas Zyklus "Mein Vaterland" oder Oscar Petersons "Trail Of Dreams - A Canadian Suite". Attraktive Motive gäbe es im Landstrich zwischen der lieblichen Unterseegegend um das Napoleonschloss Arenenberg und der trutzigen Wasserburg Hagenwil genug. Doch Schwaller tut nichts dergleichen. Weder malt er musikalische Landschaften, noch entwirft er ein historisches Epos. Keine Programmmusik also. Dafür viel Persönliches, ein Blick ins Innere. Die Titel der einzelnen Teile verraten es: "Frauenfeld 1957" (das Geburtsjahr), "Adolescence", "Kreuzlingen 1973 - The Blues" (Ausbildung am Lehrerseminar), "Expatriation 1977" (Rekrutenschule und Umzug nach München), "Recurrence 1996" (Heimkehr nach Frauenfeld) und andere mehr. Es sind Wegmarken auf dem künstlerischen Werdegang, an die der Saxophonist mit seinen anspruchsvollen Kompositionen erinnert.
Anspruchsvoll? Ja, aber keine Angst, Schwaller wäre nicht der gewiefte Lehrer, wenn er nicht seine Intentionen und Kompositionen liebevoll bis ins Detail erläutern würde. Man liest etwa: "Teil II ist ein Walzer in Db, harmonisch eine echte Tour de Force...Trompete und Posaune teilen sich den A-Teil, den B-Teil - die Bridge in D - übernehme ich, bevor ein Ensemble wiederum in ein Ostinato-Interlude führt, das allerdings zur Form gehört. Diese besteht aus 16-16-14-8 Takten. Wie wär's, wenn Sie mitzählen würden?". Das liest sich für einen Laien vertrackt kompliziert, man beginnt vielleicht tatsächlich zu zählen und ist letztlich erstaunt, wie logisch und begeisternd das Ganze tönt.
Konventioneller Stellen, wo die Musik abgeht wie weiland bei Art Blakey und die Bläser straight-ahead lospusten, als seinen sie direkte Nachkommen des Windgottes Aiolos, wechseln mit subtilen, wohlausgewogenen Partien, die nicht bloss dem Zuhörer, sondern vor allem den ausführenden Musikern einiges abfordern. Schwaller bekräftigt die Schwierigkeiten mit Worten wir "sehr schwer zu spielen" und "für Trompete und Posaune fast unspielbar". So what? Die hervorragenden Mitspieler Derrick Gardner, tp, Adrian Mears, tb, Oliver Kent, p, Thomas Stabenow, b und Mario Gonzi, dm, zeigen sich unbeeindruckt und legen sich derart gekonnt ins Zeug, dass Schwaller lapidar feststellen kann: "I'm a happy man!" Der Zuhörer auch.

Ulrich Roth

 

 

 

 

 

Updated: Tuesday, July 11, 2006 16:43

 

 

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