Roman Schwaller Nonet
"The Original Tunes"

 

Tour Oktober 2001

Peter Tuscher, trumpet Roman Schwaller, tenorsax Johannes Herrlich, trombone
Tom Varner, french horn Domenic Landolf, bassclarinet Edward A. Partyka, tuba
Claus Raible, piano Thomas Stabenow, bass Mario Gonzi, drums

11. Oktober 2001, Jazzclub Unterfahrt, München
12. Oktober 2001, Porgy and Bess, Wien
13. Oktober 2001, Aula des Gymnasiums Kufstein, Tirol
14. Oktober 2001, Kulturgaststätte Sommerlust, Schaffhausen
15. Oktober 2001, Jazzclub Q4, Rheinfelden
16. Oktober 2001, Widder Bar, Zürich
17. Oktober 2001, Kultur im Bären, Häggenschwil b. St.Gallen
18. Oktober 2001, Audi Forum, Ingolstadt
19. Oktober 2001, Psychiatrische Klinik, Münsterlingen-CH
20. Oktober 2001, Kartause Ittingen, Warth b. Frauenfeld-CH

Stand Okober 2001


Das Roman Schwaller Nonett wird unterstützt durch 
die Kulturstiftung des Kantons Thurgau,
die Thurgauische Kulturstiftung Ottoberg,
der Schweizer Kulturstiftung "
PRO HELVETIA" und Migros-Kulturprozent, 
sowie der Dr. Heinrich Mezger-Stiftung


Der international bekannte Schweizer Tenorsaxophonist Roman Schwaller hat sich mit seinem neuen Projekt einen lang gehegten Wunschtraum erfüllt: ein komplettes Programm mit 11 Eigenkompositionen der letzten 23 Jahre, speziell arrangiert für diese aussergewöhnliche Besetzung mit sechs Bläsern. Gespielt wird ein swingender, moderner Jazz, der durch die vielfältigen Arrangements und inspirierten Solos Zugang zu allen offenen Ohren findet. Mit dabei Peter Tuscher, der Jazztrompeter in München und Professor am Anton Bruckner Konservatorium in Linz; Johannes Herrlich, filigraner Techniker auf der Posaune, bekannt durch seine Band „Trombone Fire“; Domenic Landolf, der begnadete Schweizer Tenorsaxophonist, diesmal allerdings „nur“ an der Bassklarinette; Tom Varner aus New York am Waldhorn, bestens bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Peter Schärli, George Gruntz und Quincy Jones; Ed Partyka an der Tuba, Mitglied des Vienna Art Orchestras und bedeutender Bassposaunist im deutschsprachigen Raum; Claus Raible, der expressive, authentische Bebop-Pianist aus München; Thomas Stabenow, äusserst gefragter Jazzbassist und Professor an der Musikhochschule in Mannheim und Mario Gonzi aus Wien, ebenfalls Mitglied des Vienna Art Orchestras und einer der markantesten Jazzschlagzeuger Europas.

Roman Schwaller, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit dem Vienna Art Orchestra, Dizzy Gillespie, Mel Lewis, Jimmy Cobb, Johnny Griffin und dem Count Basie Orchestra, ist laut reclam Jazzführer „einer der profiliertesten europäischen Vertreter seines Instrumentes“. „Hört man ihn spielen, erscheint dies fast wie eine nette Untertreibung. Wer seine Kompositionen wie Love Someone You Like oder I Should Have Known kennt und ihre heute seltene Legierung von Ohrwurmqualität, Originalität und improvisationsgerechter Harmonik schätzt, freut sich, dass der als Komponist weniger bekannte Schwaller für sein Nonett ausschliesslich eigene Stücke der letzten 23 Jahre arrangiert hat.“ (Marcus A. Woelfle, Applaus 03/01). 

Das Roman Schwaller Nonett – eine erfrischende Grossformation mit eigener Stimme und solistischen Meisterleistungen.

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© copyright of nonet-pictures
by Jan Scheffner


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Peter Tuscher
trumpet

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Roman Schwaller

tenorsax

Johannes Herrlich
Johannes Herrlich

trombone
© photo by Christian Stockmann

Tom Varner, french horn
Tom Varner
 
french horn

Copyright by M.N. Polzin, Basel
Domenic Landolf 
bassclarinet

nei....................n
Edward A. Partyka
tuba


Claus Raible
piano


Thomas Stabenow
bass


Mario Gonzi
drums

Sechs plus drei ist neun 

Nach vier Jahren „Exil“ in der Schweiz ist Roman Schwaller in seine Wahlheimat München zurückgekehrt und erfüllt sich mit seinem Nonett einen Traum. 

Unterhalten sich Kollegen, Kritiker oder Konzertbesucher über die besten deutschsprachigen Saxophonisten, fällt regelmässig sein Name. Blättert man in den Jazzlexika, erfährt man, dass Roman Schwaller „einer der profiliertesten europäischen Vertreter seines Instrumentes“ ist. Hört man ihn spielen, erscheint dies fast wie eine nette Untertreibung.

Man staunt nur so über diesen offenen, warmen Sound, über die mit überraschenden Zitaten gespickten rasanten Läufe, über die Fähigkeit, altbekanntes Material mit neuem Leben zu erfüllen. Als inniger Balladeninterpret kann er mit wohlvertrauten Standards unverkennbar eigene Geschichten erzählen. Im Up-Tempo klingen Schwallers quirlige Boplinien nie nach zusammengeklaubten Floskeln von Vorgestern, sondern offenbaren sprühende Phantasie.

Schwaller spielt Tenorsaxophon, als hätten Dexter Gordon, John Coltrane und Johnny Griffin bei seiner Geburt im Jahre 1957 an seiner Wiege eine Saxophonsession veranstaltet. Was andere von sich glauben machen wollen, ist Schwaller wirklich: ein Musiker, der Bop nicht nur im Geist der 50-er Jahre spielt, sondern dies auch mit Geist tut. Als der Schweizer in den 70-er Jahren das klassische Klarinettenspiel an den Nagel hängte, war der allgemeine Trend zum Bop, der leider auch viel Akademisch-Angedrilltes, viel Epigonal-Einfallsloses mit sich brachte, noch nicht vorherzusehen. 

Straight Ahead Jazz 

Als lebender Beweis, dass eine Sprache, so oft sie auch gesprochen wird, immer wieder neu erscheint, wenn ein junger frischer Geist sich ihrer bedient, reifte er neben Grössen wie Klaus Weiss, Joe Haider, Charly Antolini im München der 80-er Jahre zu einer der eigenständigsten Stimmen des Bop heran – oder des „Straight Ahead Jazz“, wie er seine Musik lieber nennt, da er Bop als Bezeichnung für eine längst abgeschlossene Ära betrachtet. Die seit 1985 unter dem Motto Three Generations of Tenor Sax freundschaftlichen Tenor-Duelle mit Johnny Griffin und Sal Nistico geniessen bis heute legendären Ruf.

Es wäre zu erwarten gewesen, dass Schwaller, der mit Dizzy Gillespie zusammengearbeitet und eigene Combos mit Schlagzeug-Legenden wie Mel Lewis und Jimmy Cobb geleitet hatte, ein von Plattenfirmen und Kritikern gehätscheltes Lieblingskind würde. Schwaller unternahm aber seinerseits drei Schritte, die seinem Ruhm nicht gerade förderlich waren. Zunächst vertauschte er für zwei Jahre als Saxophonist der NDR Big Band künstlerische Selbstverwirklichung mit finanzieller Sicherheit, dann vernachlässigte der ausgebildete Fallschirmsprunglehrer jahrelang die Musik gegenüber seiner sportlichen Leidenschaft. Schliesslich zog er 1996 in die Schweiz zurück. „Da habe ich fünf Jahre in der Provinz gelebt. Da ich seit 1977 in Deutschland gelebt hatte, war ich nie richtig in der Schweizer Szene eingebunden. Als Ganze ist sie sogar kleiner als die Münchner. Schliesslich war den Deutschen der Aufwand zu gross, mich immer aus der Schweiz zu holen. Seit einem halben Jahr geniesse ich es, wieder hier zu sein.“ 

Die Idee zum Nonett 

Mit seinem jüngsten Projekt, dem „Roman Schwaller Nonet – The Original Tunes“, das mit Peter Tuscher (Trompete), Roman Schwaller (Tenor), Johannes Herrlich (Posaune), Michael Lutzeier (Bassklarinette), Clemens Weindorf (Waldhorn), Leo Gmelch (Tuba), Claus Raible (Piano) und Thomas Stabenow (Bass), sowie seinem Wiener Lieblings-Schlagzeuger Mario Gonzi ebenso ungewöhnlich wie erstklassig besetzt ist, knüpft der Wahlmünchner an ähnlich extravagant besetzte Formationen aus der fernen Vergangenheit an. Sieht man von der erst in den 60-er Jahren im Jazz populären Bassklarinette ab, erinnert die klangfarbenreiche Besetzung mit Horn und Tuba an das Miles-Davis-Capitol-Orchestra und von Arrangeuren wir Gil Evans und Gigi Gryce in der Mitte der 50-er Jahre geleitete Bands.

Die Idee zum Nonett entstand beim Arzt und Jazz-Sänger Dr. Johannes „Dadi“ Scheeser, „nachdem wir eine alte Gigi Gryce-Donad Byrd Scheibe angehört hatten. Die Klänge, die man mit Bassklarinette, Waldhorn und Tuba machen kann, sind faszinierend. Oben ist ja quasi ein „konventionelles“ Sextett mit Trompete, Tenor und Posaune. Es ist eine straight-ahead Musik, allerdings schon ein bisschen moderner als Bebop.“

Wer Roman Schwallers Kompositionen wie Love Someone You Like oder I Should Have Known kennt und ihre heute seltene Legierung von Ohrwurmqualität, Originalität und improvisationsgerechter Harmonik schätzt, freut sich, dass der als Komponist unterschätzte Schwaller für sein Nonett ausschliesslich eigene Stücke der letzten 23 Jahre arrangiert. Unterstützt wird er durch einen Kompositionsauftrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

„Erstmals habe ich zu meinem 30. Geburtstag für mein Sextett dreistimmige Sachen geschrieben. Noch nie habe ich für Bassklarinette, Tuba und Waldhorn arrangiert. Hätte ich mich doch schon früher in einen gescheiten Arrangierkurs gesetzt! Die musikalische Vorstellung habe ich über die Jahrzehnte aber auch so bekommen. Gil Evans war ja auch Autodidakt; aber ich möchte mich um Gottes willen nicht mit ihm vergleichen!“

Um ein komplettes zweistündiges Programm auf die Beine zu stellen, das am 26. März in der Black Box uraufgeführt wird, muss Schwaller noch viel Tinte vergiessen: „Das Nonett ist spannend und euphorisierend, aber mit viel Arbeit verbunden. Ich gehe permanent Notenpapier kaufen. Ich habe schon 150 A4-Seiten beschrieben. Mir bricht fast das Handgelenk ab.“ Da können wir dem ehemaligen Fallschirmspringer nur Hals- und Beinbruch wünschen. 

Marcus A. Woelfle

Münchner Kulturmagazin „Applaus“ 03/2001


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